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WAS IST DIE RICHTIGE SATTELBREITE?

Die korrekte Sattelbreite ist heutzutage ein heiß diskutiertes Thema – bei den Herstellern und Nutzern gleichermaßen. Woher die Diskussion kommt, was es damit auf sich hat und wie man sicher zu seinem richtigen Sattel kommt verraten wir Dir in diesem Blogbeitrag.

EIN RÜCKBLICK INS LETZTE JAHRTAUSEND

Zu Anfang dieses Beitrags machen wir einen Sprung zurück in die frühen 1990er Jahre. Gängige und viel genutzte Sättel aus dieser Zeit waren z.B. der Selle Italia Turbo bzw.der Flite oder Modelle von Selle San Marco wie der Concor oder der Rolls. Gegenüber heute war die Vielfalt bei den Sattelmodellen noch wesentlich geringer, im besten Fall gab es unterschiedliche Bezugsvarianten, oder aber wie beim Flite ein damals exotisches Material für das Sattelgestell, nämlich Titan.

Was es damals im sportlichen Bereich nicht gab, waren Sattelmodelle in unterschiedlichen Breiten, der Flite hatte eine Breite, genau wie der Rolls, das wars. Extrem rar waren zu dieser Zeit spezifisch für Frauen entwickelte Sättel. Meist fuhren sportliche Damen einfach die Herrenmodelle. Was die Breite von sportlichen Sätteln anging, hatten sich die Produzenten bei rund 130mm – plus minus einen Schnaps – eingependelt.

Fragt man jetzt die Leutchen die vor 30 Jahren mit solchen „Einheitssätteln“ durch die Gegend geradelt sind, dann hört man aller meistens: „Hat gut funktioniert“. Aber wie kann das sein? Heute suggeriert uns die Industrie doch, dass man unbedingt die richtige Sattelbreite wählen müsse, sonst wäre alles sprichwörtlich im A…Was für eine Krux. 

Also schnell zurück zu den Fakten.

SIND WIR WIRKLICH SO VERSCHIEDEN, DASS ES DAS ALLES BRAUCHT?

Wirft man einen Blick in Anatomiestudien und sucht dort nach Untersuchungen zum Abstand der Sitzhöcker im Becken (das am häufigsten in der Sattelindustrie zitierte Maß zur Ermittlung der „richtigen“ Sattelbreite) wird man recht schnell fündig (z.B. PeopleSize 1998, http://www.openerg.com/). Die Ergebnisse dieser Studie sehen wir uns in den folgen Absätzen genauer an.

Bevor wir aber zu den Ergebnissen der Studie kommen, zeigen wir Dir noch die Lage der Sitzhöcker im Becken und den Bereich des „Sitzbeins“, das siehst Du in der Abbildung. Welchen Einfluss das Sitzbein hat, diskutieren wir später. Wir beginnen mit den Sitzhöckern, weil diese einfach zu lokalisieren und in Ihrer Lage stabil zu bestimmen sind und deswegen oft als Referenz genutzt werden.

Als Erstes sehen wir uns die Wahrscheinlichkeitsverteilung des Abstands der Sitzhöcker an. Diese siehst Du in der nebenstehenden Abbildung. Wie in einer Anatomiestudie zu erwarten, bildet sich sowohl für Frauen als auch für Männer eine klassische Glockenkurve aus. Die Kurven sind leicht zu lesen: Sie zeigen an, wie wahrscheinlich es ist, dass gewisse Abstände auftreten. In diesem Fall sehen wir recht „enge“ Kurven um den Median herum mit einer geringen Varianz, was schlicht heißt, dass viele Probanden einen vergleichsweise ähnlichen Abstand der Sitzhöcker aufweisen. Interessant ist, dass die Kurve der Frauen nach rechts verschoben ist, das bedeutet, dass dort größere Abstände bei den Sitzhöckern häufiger sind.

Blicken wir nun auf die Perzentile aus der Studie wird deutlich von welchen Dimensionen wir bei dem Abstand der Sitzhöcker sprechen. Das 5., 50. und 95. Perzentil für Frauen und Männer findest Du in der Abbildung.

Da nicht jeder mit Perzentilen als Lagemaß in der Statistik vertraut ist, machen wir eine kurze Übersetzung der Tabelle. Das 5. Perzentil mit 100mm bei Männern bedeutet, dass 5% der Probanden einen Sitzhöckerabstand kleiner oder gleich 100mm hatten. Das 50. Perzentil bedeutet, dass 50% der Probanden einen Abstand kleiner oder gleich 118mm hatten und zuletzt das 95. Perzentil: 95% der Probanden haben einen Abstand kleiner oder gleich 137mm. Das gleiche Schema gilt für die Werte der Frauen.

Wären wir nun alle frisch gebackene Satteldesigner, was gäbe es hier „mitzunehmen“? Aus unserer Sicht zwei recht triviale Dinge: 1) Selbst das 95er Perzentil weißt sowohl bei Frauen als auch bei Männern sehr „überschaubare“ Abstände auf, an denen man sich beim Design eines „Einheitssattels“ orientieren könnte – was in der Vergangenheit, siehe voriger Absatz, wohl auch so gemacht wurde, dass aber 2) Frauen einen durchweg größeren Abstand – rund 10mm mehr – haben und man diesen Aspekt beim Design berücksichtigen sollte.

DIE UNBEKANNTE IM SYSTEM

Eingangs hatten wir erklärt, warum der Abstand der Sitzhöcker sehr gut für Anatomiestunden verwendet werden kann.

In der Praxis jedoch belasten die allermeisten von uns, wenn sie auf dem Rad sitzen, nicht die Sitzhöcker, sondern den Bereich des Sitzbeins. Und jetzt kommen wir zur großen Unbekannten, dem Beckenwinkel und der damit verbundenen Breite der „Sitzzone“ im Bereich des Sitzbeins. Die Breite variiert, da das Sitzbein von oben betrachtet nach vorne V-förmig zuläuft. In der Abbildung siehst Du links die mittlere Sitzbreite A bei einer sehr aufrechten Sitzposition, diese bewegt sich sehr nahe am Abstand der Sitzhöcker. Rechts daneben findest Du die mittlere Sitzbreite B, die bei einer sehr sportlichen Position (und einem weit flacheren Beckenwinkel) entsteht.

Der Unterschied ist erheblich und stellt aus unserer Erfahrung nahezu alle Unterschiede aus den Anatomiestudien in Bezug auf den Sitzhöckerabstand in den Schatten.

WARUM VERSCHIEDENE SATTELBREITEN DENNOCH SINNVOLL SIND

Also warum jetzt der ganze Firlefanz mit den unterschiedlichen Sattelbreiten? Anatomisch scheint es kaum nötig zu sein, der Beckenwinkel lässt sich nur sehr schwer messen und vor mehr als 30 Jahren haben die Einheitsbreiten auch ganz gut funktioniert.

Wir sind überzeugt, dass es aus einem Grund Sinn macht: Variiert man die Sattelbreite erhält man unterschiedlich große Flächen, auf denen Du sitzen kannst. Das ist sehr relevant bei einem der zentralen Sitzparameter, nämlich dem Druck, der beim Sitzen entsteht. Für den Druck gilt die simple Gleichung: Druck gleich (Gewichts-)kraft geteilt durch Fläche. Damit ist klar, dass bei cleverem Flächenmanagement (über die Variation der Sattelbreite) Du die Druckwerte im Rahmen halten oder sogar verringern kannst.

In der Abbildung siehst Du schematisch die Flächenzunahme bei unseren ezero-Sätteln. In vergleichbarem Maß passiert das selbstverständlich auch bei anderen Herstellern und verschieden breiten Sattelmodellen.

SO WIRD HEUTE VERSUCHT DIE RICHTIGE SATTELBREITE ZU BESTIMMEN

Die Hersteller, die heute ihre Sattelmodelle in verschiedenen Breiten anbieten, nutzen größtenteils Verfahren, die vom Abstand der Sitzhöcker ausgehen. Warum? Der Abstand der Sitzhöcker lässt sich recht simpel, sogar zu Hause selbst bestimmen. Zum Beispiel in dem man sich aufrecht auf einer harten Unterlage auf ein Stückchen Wellpappe setzt. Dann zeichnen sich, wie in der Abbildung, die Sitzhöcker auf der Wellpappe ab und können „vermessen“ werden. Ähnliche Verfahren gibt es in den Bikeshops auch digital.

Ausgehend vom gemessenen Abstand der Sitzhöcker wird dann über eine Abschätzung des Beckenwinkels (meist über eine Einordnung der Sitzposition) versucht eine Sitz- und zugehörige Sattelbreite zu ermitteln.

Das Verfahren ist sehr simpel und liefert aus unserer Sicht zumindest eine gute Einordnung der Sitzbreite. Aber es geht auch wesentlich besser, dazu mehr im nächsten Abschnitt.

SO KOMMST DU GARANTIERT ZUM RICHTIGEN SATTEL/ SITZSYSTEM

Sitzen auf dem Rad ist mehr als nur die „richtige“ Sattelbreite. Das hatten wir in diesem Blog bereits mehrfach diskutiert. Denkt man das Sitzen ganzheitlich, bedarf es einer gemeinsamen Betrachtung von Sattel, Hose und Sitzhaltung als „Sitzsystem“. Um dieses System sehr sauber zu kalibrieren, gibt es für uns nur eine Möglichkeit: Die Nutzung einer elektronischen Druckmessfolie. Auf Deinem Rad, mit Deiner Hose und dem Sattel der Wahl.

Da Messungen mit elektronischen Druckmessfolien exakt das abbilden, was in Deiner Sitzzone passiert, sind sie ein perfektes Werkzeug für fachkundige Händler oder Bikefitter. Ob für kleine Optimierungen oder die Lösung von gravierenden Sitzbeschwerden.

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